Burg Vischering

Auf der Burgmauer

Rundgang zum Tag des offenen Denkmals

Das eiserne Halsband

Das Himmelbett

Event - The Droids DJ Set

Burg Vischering - Außenbereich

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Information

Aufgrund von Lizenzvereinbarungen zeigen wir in unserem virtuellen Rundgang nur die Räume: Himmelbett, Halsband und Rittersaal. 
Mit dem Pfeil kommen Sie direkt zum Raum: Himmelbett

Das eiserne Halsband

Ein Überfall, ein eiserner Kragen und ein erpresster Eid – dazu Ritter, Landstände, Fürsten und eine der letzten Fehden Westfalens: In den 1520er Jahren wird der Frieden im Münsterland schwer erschüttert. Den Ausgangspunkt bildet dabei nicht die Burg Vischering, sondern die nahe Burg Kakesbeck.
Sonntag, 25. Juli 1520: Der 80-jährige Lambert von Oer, Herr zu Kakesbeck, reitet von der Kirche nach Hause. Plötzlich tauchen neun Männer auf und reißen ihn vom Pferd. Lambert muss auf die Bibel schwören, dass er sich in wenigen Tagen auf der sauerländischen Burg Padberg in Gefangenschaft begeben wird. Das Halsband, dessen komplizierten Verschluss er nicht öffnen kann, soll ihn an diese Verpflichtung „erinnern“.
Rasch verschwinden die Angreifer wieder. Ihr Anführer ist Goddert von Harmen, der Lambert zum Verzicht auf Güter zwingen will, um die es schon seit fast zwanzig Jahren Streit gibt. Doch der alte Mann spielt nicht mit: Unter Lebensgefahr lässt er das Halsband noch am Tag des Überfalls von einem Schmied in Münster aufbrechen. Danach bringt er die Angelegenheit vor Landstände und Fürsten. Aber eine rasche Lösung wird nicht gefunden. Stattdessen entflammt eine blutige Fehde – ein Bruch des Kaiserlichen Landfriedens.

Halsband des Lambert von Oer

Gut erkennbar ist die Stelle, an der das Halsband aufgebrochen wurde, vermutlich von einem Schmied, der den raffinierten Mechanismus nicht durchschaute. Lambert nahm das Beweisstück nach der für ihn gefährlichen Befreiungsaktion mit in seine Burg Kakesbeck. Letztere kam 1738 in die Hand der Familie Droste zu Vischering – und mit ihr das Halsband

um 1520 | Eisen | Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Halsband des Lambert von Oer (Nachbau)

Das Halsband funktioniert nach dem Prinzip des Tarnens und Täuschens: Beide Hälften haben Schließmechanismen, die hinter Metallplatten verborgen sind. Funktionslose Schrauben dienen als Ablenkung. Nur ein angeschrägter Hakenstift kann die Stahlfederverschlüsse öffnen. Die inneren Zacken üben fühlbaren und je nach Bewegung schmerzhaften Druck aus.

Darstellung des heute zerstörten Haus Ichterloh

Hermann von Ascheberg gehört zu den Feinden der Familie von Oer. Er ist Besitzer von Haus Ichterloh (bei Nordkirchen), an das heute nur noch Zeichnungen und ein idyllisches Gemälde erinnern. Von einem Idyll ist aber keine Rede, als Bernd von Oer Haus Ichterloh im Mai 1521 überfällt. Die Angreifer legen Feuer, schlagen eine Magd, rauben Wertsachen und Vieh.

1820 | unbekannter Künstler | Öl auf Leinwand | Inv.-Nr. 84 – 468

Inszenierte Geschichte

Nach dem Brand von 1521 entstehen nach und nach Neubauten. Später erhöht man die Hauptgebäude der Burg, die zuvor vom Torhaus noch deutlich überragt werden. Die Neugestaltung der Burg zieht sich bis in das frühe 17. Jahrhundert hin. Als die Räume Ende des 19. Jahrhunderts renoviert werden, legte man Wert auf eine historische Atmosphäre und beginnt Geschichte zu inszenieren. Die Figuren an der Decke wirken daher, als stammen sie aus der Frühen Neuzeit (16.–18. Jh.). Die Fenstervertäfelungen dienen allerdings auch ganz praktisch dem Wärmeschutz.

Bett und Bekenntnis


Ein Himmelbett gehört zu den wichtigsten Zeitzeugen auf Burg Vischering. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert, als das Mittelalter in die Frühe Neuzeit übergeht und die Reformation die christliche Welt verändert.

Im selben Jahr, als Martin Luther beim Wormser Reichstag den Widerruf  seiner Lehren verweigert (1521), wird die Burg Vischering Opfer eines Brandes. Sie muss wieder aufgebaut und neu eingerichtet werden. Um 1550/60 lässt Heidenreich Droste dabei für sich und seine Frau Jaspara ein Bett anfertigen, das mehr ist als die Schlafstätte eines Ehepaars: Geschnitzte Reliefs erinnern an die konfessionellen Spannungen der Zeit.

Nachdem das Fürstbistum Münster von der Reformation erfasst worden ist, schwanken selbst die Bischöfe zeitweilig. Erst seit dem späten 16. Jahrhundert stehen sie wieder unbeirrt zur katholischen Kirche. Für Adlige, die sich endgültig vom Papst abgewendet haben, bleiben Führungspositionen im Fürstbistum von nun an verschlossen. Katholische Geschlechter wie Merveldt, Velen und Droste zu Vischering stützen die fürstbischöfliche Herrschaft. Zwar haben auch einige Träger des Namens Droste zu Vischering zeitweilig dem Luthertum zugeneigt. Das katholische Bekenntnis setzt sich in der Familie aber durch.

Heidenreich IV. – ein Droste als Amtsdroste

Der 1507 geborene Heidenreich ist 14 Jahre alt, als die Burg Vischering Opfer eines großen Feuers wird. Als Erwachsener betreibt er den Wiederaufbau und verleiht der Anlage dabei wesentliche Züge ihres heutigen Aussehens. Tragischerweise stirbt seine Frau Jaspara von Hoberg, als die Baumaßnahmen kurz vor dem Abschluss stehen. Zusätzlich zum Ehrentitel Droste, den er erblich trägt, wird Heidenreich im Laufe seines Lebens zweifacher Amtsdroste. Der Hintergrund: Als Drosten bezeichnet man auch die adligen Verwalter der Ämter, in die sich das Fürstbistum Münster gliedert. Sie umfassen jeweils mehrere Gerichtsbezirke und Kirchspiele. 1549 wird Heidenreich Amtsdroste zu Horstmar, 1565 zu Ahaus. Generationen von Nachfahren folgen ihm in diesen Funktionen. Heidenreich selbst stirbt 1588.

Porträt des Heidenreich Droste zu Vischering (1507 – 1588)

1570 | unbekannter Künstler | Öl auf Holz

Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Bernsteinkreuz

Das Kreuz stammt möglicherweise aus dem bernsteinreichen Ostpreußen. Elfenbeinarbeiten zeigen Jesus vor der Kreuzigung betend im Garten Gethsemane. Soldaten nahen, um ihn zu verhaften. Darüber füttert ein Pelikan seine Jungen mit Blut aus seiner aufgerissenen Brust – ein Verweis auf Christi Opfertod. Der Totenschädel steht für Golgatha, die Schädelstätte.

17. Jahrhundert | unbekannter Künstler

Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Weltwahrnehmung um 1600

Im Jahr 1609 blickt Galileo Galilei durch eins der damals völlig neuartigen Fernrohre. Seine Beobachtungen beweisen ihm, dass sich die Gestirne um die Sonne drehen. Später zwingt ihn die Inquisition, diese Lehre zu widerrufen. Dabei hat Nikolaus Kopernikus bereits 1543 – lange vor Galileis Geburt – ähnliche Ideen formuliert. Doch Kopernikus wird von der Kirche noch als Vertreter abstrakter Mathematik ohne konkreten Bezug zu Gottes Schöpfung abgetan. Das Fernrohr eröffnet nun buchstäblich eine neue Sicht auf diese Schöpfung. Der Blick zu den Sternen ist um 1600 aber vor allem eine astrologische Mode. So gilt der „Sterndeuterturm“ des münsterländischen Schlosses Raesfeld als astrologische Beobachtungsstation Alexanders von Velen (1599–1675). Der Turm von Burg Vischering könnte ähnlichen Zwecken gedient haben.

Bett des Heidenreich Droste zu Vischering und seiner Frau Jaspara

Aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt das aufwendig gearbeitete Baldachinbett. Schnitzereien aus der christlichen Ikonografie zieren das Kopfteil und den Betthimmel. Hier zeigt sich der persönliche Geschmack des Drosten und dessen tiefe Verankerung im Glauben.

Mitte 16. Jahrhundert | unbekannter Künstler | Eichenholz | Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Sechs Jagdgewehre

Perkussionswaffen, einläufig, teilweise mit Geschossen

Erste Hälfte 19. Jahrhundert | Dauerleihgaben aus Privatbesitz

Pulverflasche mit Messingdosierung

19. Jahrhundert | Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Pulverflasche aus Horn mit Schnitzerei

19. Jahrhundert | Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Paradekleidung eines Leibjägers

Vollständig mit Federhut, Stiefeln und Hirschfänger

nachgewiesen für 1908 | Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Livreekleidung für die Dienerschaft

Sogenanntes Servierkostüm | 19. Jahrhundert

Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Zwei Jagdhörner

Sogenannte Sauerländer Halbmonde | 19. Jahrhundert
Dauerleihgaben aus Privatbesitz

Clemens August Maria Freiherr Droste zu Vischering, Erbdroste

Um 1770 | Öl auf Leinwand | unbekannter Künstler

Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Sophie Alexandrine Freifrau Droste zu Vischering, Erbdrostin, geb. Freifrau von Droste zu Füchten

Um 1770 | Öl auf Leinwand | unbekannter Künstler

Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Gruppenbild der Familie Droste zu Vischering

1784 | Öl auf Leinwand | Oswald Georg May | Faksimile

Original in Privatbesitz

Steinrelief mit Jagdszene

14. – 15. Jahrhundert | Sandstein | Inv. Nr. 84 – 90

Hänsel, Gretel und ein Löwe

Ende des 19. Jahrhunderts haben sich die Wohnbedürfnisse geändert – ein großer Saal wird nun nicht mehr benötigt. Stattdessen unterteilt man ihn in einen Flur mit zwei anschließenden Kammern. 2017 dann der kuriose Fund: Bei Putzarbeiten wird eine fein bemalte Bordüre mit Kinder- und Märchenmotiven entdeckt – die Reste eines Kinderzimmers aus den 1920er Jahren. Der Zeichenstil und die hellen Farben erinnern an Kinderbuchillustrationen der Zeit. Trotz einer strengen Erziehung, richtet man Kinderzimmer schon sehr liebevoll ein.

Wo die wilden Kerle wohnen

1970 fördern Bauarbeiten im Rittersaal prächtige Wandmalereien zutage – ein Sensationsfund! Freigelegt werden vier höfisch gekleidete Männer in den Fensterlaibungen der Südwand, umgeben von Ranken und wilden Fabelwesen. In den Malereien stehen sich die geordnete höfische Welt und die wilde Natur gegenüber. Neuere Forschungen ergeben, dass die um 1552 entstandenen Malereien ursprünglich eine kleine Kammer schmücken, die an den Westflügel angebaut war. Diese Kammer wird 1579/80 zu dem heutigen Rittersaal erweitert.

Besser beflügelt

Um 1852 wird der Westflügel der Hauptburg grundlegend erneuert. Man baut Flure ein, die im Erdgeschoss massive Arkaden erhalten. Das Wohnen in Sälen wird aufgegeben, stattdessen leben die Bewohner jetzt in eigenen Zimmern. Auch die bislang für viel älter gehaltenen Biberschwanzziegel des Daches stammen vermutlich aus dieser Zeit. Der Vergleich mit historischen Abbildungen bezeugt zudem eine teilweise veränderte Fensteranordnung. Anders als bei den späteren Renovierungen um 1900, die in erster Linie auf Wohnkomfort und Atmosphäre zielen, geht es 1852 vor allem um handfeste Verbesserungen des Bauzustandes.

Fest umschlossen – die Ringmauer

Anfangs umschloss die Ringmauer fast kreisförmig den Burgplatz. Sie ragte 8 Meter über den Wasserspiegel empor. In der Mauer befanden sich Schießscharten. Die Verteidigung erfolgte von Wehrgängen aus. Die Burggebäude lehnten sich innen an die Mauer und hatten nur zur Hofseite hin größere Öffnungen. Im 16. Jahrhundert wurde der Verlauf der Ringmauer durch neue, höhere Gebäude aufgesprengt, da die Verteidigung  an Bedeutung verloren hatte. Im unteren Bereich ist die Ringmauer  etwa 1,70 Meter dick.

Wände und Wappen – Bauschmuck

Der dreistöckige Südflügel von Burg Vischering wird als „Saalbau“ bezeichnet.
An der Fassade im Hof zeigen zwei Tafeln die Wappen des Heidenreich Droste und seiner Frau Jaspara von Hoberg, dazu die Jahreszahl 1552. Diese entspricht nicht dem Errichtungsjahr des Südflügels. Der Neubau begann  erst um 1570. Die Wappen stammen von anderer Stelle und wurden zu Ehren des Bauherrenpaars an die Wand versetzt. Der Neubau sprengt den Verlauf der alten Ringmauer. Er ragt rechteckig in die Gräfte hinaus.